Lyrik

Abschied

Bettet mir den Kopf recht hoch,

ich möcht euch alle sehen.

Und sollte ich dann gehen,

trinkt, singt und lacht.

Ich mag nicht, dass ihr weint,

der Tod ist nicht mein Feind.

Er nimmt von mir die Plagen –

ja, traut es euch zu sagen –

von euch, ihr Lieben, auch.

Leert besten Wein aus meinem Keller

und stimmt mir frohe Lieder an.

Füllt euch beim Festmahl reich die Teller,

weil ich dann heiter ziehen kann...


P.

Er schlief in keinem Lotterbett

und lebte keusch und rein.

Nun ist er tot und sein Habit

hüllt seinen Leichnam ein.

Begraben wird er stoisch leis

wie jeder hier vor ihm.

Allein als letzter Ehrbeweis

gilt ihm die nächste Prim.

 

(Die Prim ist das dritte morgendliche

Stundengebet bei den Kartäuser-Mönchen.)


Start ins Jenseits

Wenn ich einmal sterben werde,

spielt mir froh das Lied vom Tod!

Und auf jede Schaufel Erde

gebt ein Stückchen Weizenbrot!

Auch zwei Flaschen Blauburgunder

stellt mir in das Grab hinein!

Aber keinen Wegtrinkplunder -

vom Allerbesten muss er sein.

Und, weil ich sie nie beendet',

legt Schillers Werke mit zur Ruh!

Bitte, da ich's gern verwendet',

packt mein Notebook gleich dazu.

Schart euch dann in weitem Kreise

um das offne Grab herum,

startet meine Seelenreise

mit Gesang ad libitum!

Der Tod als Freund

Der Tod ist gütig-weise.

Fast unbemerkt und leise

fängt er uns hilfreich auf.

Und führt uns dann stromauf

zur neuerlichen Reise!


Abschiedsgesang

Wilde Rosen, duftig-kleine,

hab ich grad für dich erstanden.

Hier, dein Seidenkleid, das feine,

soll die göttergleich gewanden.

Auch ein Perlenbändelein

flecht ich dir ins Haar hinein.

Feine Ringe, zwei, drei, vier,

reich ich dir zur weitren Zier.

Rouge belebe deine Wangen,

Frieden mag dein Herz empfangen.

Puppenähnlich schaust du aus

für die ewiglange Reise.

Horch, nun sing ich dir von Strauß

leise deine Lieblingsweise!


Der Ungebetene

Freund Hein, der ungebetne Gast,

war bei mir häufig zu Besuch.

Ich habe stets mir ihm verweigert,

und er verschwand mit leisem Fluch.

Nun aber wird er mich bezwingen,

weiß Gott, es wird für ihn nicht schwer.

Die Kraft, erneut mit ihm zu ringen,

die habe ich nicht mehr.


K.

Es beglückt mich,

dass ich dich erlebe,

weil du im Traum

ganz nahe bei mir bist.

Ich bin glücklich,

weil ich spüre,

dass ein Teil von dir

in mir enthalten ist.

Es beglückt mich,

dass ich um dich weine,

da ich mich

nach dir verzehr!

Ich bin glücklich,

weil ich meine,

deine Seele

sinnt auf Wiederkehr.

 

Werner Tiltz wurde in Peine geboren . Industriekaufmann und abgeschlossenes Studium als Betriebswirt. Marketing- und Verlagsmanager.

 

Verlagsleiter beim Verlag „moderne industrie“ (Süddeutscher Verlag), München.

Lyrik- und Prosa-Autor.

Ausbildung zum Basssänger bei Friedel Becker-Brill, Wuppertal, und Prof. Margot Gerdes, München.


Gedichtband von Werner Tiltz

Verleger Klaus Siewert:
„Das Spektrum reicht von zarter Gefühlslyrik, stimmungsvollen Nachbetrachtungen bis hin zu hier und da winkelzügiger Wortakrobatik. “

Die Malerin Renate Jung schuf die Radierungen zu diesem Buch.