Bestattungskultur

Textausschnitt mit freundlicher Genehmigung von Prof. Dr. Fischer

 

Bundesweit werden heutzutage über 50% aller Toten eingeäschert.
Dieser Durchschnittswert verschleiert die erheblichen regionalen und konfessionellen Unterschiede sowie das Stadt-Land-Gefälle. So liegt der Anteil der Feuerbestattung in nord- und ostdeutschen Städten nicht selten bei 70-90%. Diskussionen um neue Formen der Bestattungskultur – sei es das Verstreuen der Asche, die „Urne im Wohnzimmer“ oder das Aufkommen von „Aschediamanten“ – brachten die Feuerbestattung in die Medien. Nicht zuletzt waren es wiederholte Berichte über Bustouren zu ausländischen Krematorien, die von

Bestattungsunternehmen organisiert und als „Kaffeefahrt hin zum billigen Tod“ gebrandmarkt wurden. „Burn, Baby, Burn“ hieß die überschrift in der Satire-Zeitschrift „Titanic“, als sie Anfang 2005 über die „letzte Reise ins Krematorium Chomutov“ (Tschechien) schrieb: „Neben der Kirche steht ein lachsfarbener, japanisch anmutender Flachbau. Das Krematorium, wie wir gleich erfahren.“ Und weiter: „Ofen auf, Sarg rein, Feuer frei. An der Ofenrückseite ist nun Verbrennungspeepshow … ein praktisches Guckloch im Ofen ermöglicht tiefe Einblicke“. Diese und andere von Bestattern organisierten Werbetouren in preiswerte ausländische Krematorien wurden von den Kirchen – aber nicht nur von ihnen – mit Stichworten wie „Verfall der Bestattungskultur“ und „Entsorgungs-Mentalität“ kritisiert.

Der Autor:

Prof. Dr. Norbert Fischer

 

Honorarprofessor am Institut für

Volkskunde/ Kulturanthropologie sowie Privatdozent für Sozial- und Wirtschaftsgeschichte am Historischen Seminar der Universität Hamburg; Promotion in Sozial- und Wirtschaftsgeschichte mit der Arbeit „Vom Gottesacker zum Krematorium – eine Sozialgeschichte der Friedhöfe in Deutschland seit dem 18. Jahrhundert“.

 

Forschungen, Publikationen, Vorträge und Seminare zur Geschichte von Friedhof, Grabmal, Bestattung, Tod und Trauer.